Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung auf Reisen und im Tourismus

Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF werden jedes Jahr weltweit etwa zwei Millionen Mädchen und Jungen schon in frühester Kindheit sexuell ausgebeutet – mit gravierenden Auswirkungen auf Leib und Seele. Die Tendenz ist weiter steigend.

Die stetig wachsende Zahl der Reisenden, die Globalisierung und die rasante technologische Entwicklung haben die Zunahme sexueller Gewalttaten gegenüber Kindern im Tourismus verstärkt. Das Internet, mobile Technologien und Apps erleichtern die Kontaktaufnahme. Täter nutzen bewusst die Anonymität im Netz und im Ausland für die Ausübung ihrer Straftaten. Neue Formen von sexueller Ausbeutung entstehen.

 

Doch wie erkennt man Anzeichen für sexuelle Ausbeutung im Tourismus

Einige Beispiele:


Erwachsene fotografieren fremde Kinder am Pool oder Strand – in knapper Badekleidung oder nackt.


Erwachsene sprechen Minderjährige am Strand an und versprechen ihnen ggfs. teure Geschenke.


Erwachsene berühren Kinder und Jugendliche unsittlich im Restaurant, am Strand, auf dem Boot …

Wo werden Kinder sexuell missbraucht?

Das passiert nicht nur in Schwellen- und Entwicklungsländern. Auch in Deutschland und Europa werden Kinder sexuell missbraucht. Die sexuelle Ausbeutung wird befördert durch Armut, Korruption der Behörden, unzureichende Gesetzgebung, ungenügende Strafverfolgung.

Missbrauchsfälle können in allen Hotelkategorien vorkommen: vom Luxus-Hotel, in dem Diskretion groß geschrieben wird, bis zur Hinterhofpension, in der keine Personaldaten abgefragt werden und cash bezahlt wird. Aber auch in privaten Unterkünften, in denen teilweise die Gäste ins Familienleben integriert werden und direkten Kontakt zu den Kindern der Gastgeber haben.

Wer sind die Opfer?

Mädchen und Jungen sind betroffen. Häufig gehören sie Minderheiten oder indigenen Gruppen an. Oft leben sie in Armut, sind familiären Problemen ausgesetzt, müssen arbeiten, auf der Straße leben, etc.

Wer sind die Täter?

Es gibt kein klares Täterprofil. Täter stammen aus allen Alters- und Bildungsschichten, sind als Rucksacktouristen, Individual- oder Pauschalreisende bzw. als Geschäftsreisende unterwegs. Es sind nicht nur Männer – auch Frauen! Häufig sind es Gelegenheitstäter/-innen, die den Missbrauch vor der Reise nicht geplant hatten.

Kindesmissbrauch ist weltweit eine Straftat!

Straftaten, die von Deutschen im Ausland begangen werden, können in Deutschland verfolgt werden 
(§5 Nr. 8 StGB)

Was kann jeder Einzelne tun?

NICHT WEGSEHEN –   A K T I V    WERDEN!

JEDER Reisende kann aktiv werden. Wer etwas Auffälliges beobachtet – egal ob Verdachtsfälle oder Straftaten –, sollte nicht zögern, dies zu melden:

  • über
  • www.nicht-wegsehen.net an das Hotelpersonal bzw. die Reiseleitung vor Ort
  • an die Vertretung Deutschlands (Botschaft, Konsulat) im jeweiligen Reiseland
  • an die lokalen Behörden vor Ort

     

    Wichtige Angaben:

    – WAS genau haben Sie beobachtet?

    – WANN und WO hat sich der Vorfall ereignet?

    – WER waren die beteiligten Personen (Beschreibung/ggfs. Foto von Verdächtigem(r), Opfer, weitere Zeugen)?

    Weitere wichtige Hinweise:

    – Beschreibung von Mittelsmännern oder -frauen

    – einschlägige Nachrichten (SMS, WhatsApp, Messenger etc.)

    – notierte Kennzeichen von Autos oder Taxis

    Weitere Informationen:

    Heike Jödicke-Birnbaum
    Referentin Kinderschutz
    Deutscher Reiseverband

    Schicklerstraße 5 – 7
    10179 Berlin

    T +49 (0)30 28406-55
    E joedicke-birnbaum@drv.de 

    W www.drv.de